Die Kunst des Wehrens lehren

Wie soll man den Leuten richtig beibringen, sich zu wehren? Auf diese Frage will Rolf Hanke künftig noch besser Antwort geben können. Der Karate-Lehrer von Nippon Bremerhaven hat als erster Trainer im Bremer Karate Verband die Lizenz zum Selbstverteidigungs-Lehrer erworben.

Rolf Hanke ist zertifizierter SV-Lehrer.

Rolf Hanke ist zertifizierter SV-Lehrer.

„Das ist ein neues Ausbildungsfeld im Deutschen Karate Verband“, erzählt Hanke, selbst Träger des 3. Dan im Karate. Erst seit wenigen Jahren hat sich der Verband auf die Fahnen geschrieben, die Selbstverteidigung auch außerhalb des regulären Karate-Trainings zu unterrichten – mit wachsendem Erfolg. „Selbst ist ein Thema“, betont Hanke.

Die Medienberichte über die brutalen S-Bahn-Überfälle oder den tödlichen Angriff auf einen Helfer in der Münchner U-Bahn vor einigen Jahren hätten viele Leute verunsichert.Dabei ist die Selbstverteidigung der Kern des Karate, das heute allerdings auch als Sport aufgestellt ist. Entwickelt wurde die Kampfkunst in politisch unruhigen Jahren auf der Insel Okinawa und später den japanischen Hauptinseln zum Schutz vor Angriffen durch marodierende Banden und ein autoritäres Regime. „Deshalb ist auch alles enthalten, was man benötigt, um sich wehren zu können“, sagt Hanke.

Der 65-Jährige beschäftigt sich schon sein Leben lang mit diesem Thema: Als Polizist musste er sich regelmäßig damit auseinandersetzen. „Da sieht man die Notwendigkeit“, sagt der frühere Kripo-Beamte, der heute weiterhin in der Sicherheitsbranche tätig ist. Unter anderem zeichnet er verantwortlich für die Security bei der Karate-Weltmeisterschaft, die 2014 in Bremen ausgetragen werden wird. Mit dem Sport ist Hanke seit den 1970-er Jahren verbunden, trat als Wettkämpfer auf Landes- und deutschen Meisterschaften an und fungiert seit langem auch als Trainer bei Nippon.

„Unser Angebot zum Selbstverteidigungstraining kommt gut an“, sagt er. Es seien zwar auch Karateka aus dem Verein dabei, aber auch viele, die sich nur wehren können wollen. „Vorkenntnisse benötigt man nicht, weil es sich um einfache Techniken handelt, die schnell erlernt werden können“, sagt Hanke. Klassische Karate-Selbstverteidigung setzt dagegen intensive Beschäftigung mit den Techniken und ihren Hintergründen voraus und erfordert so ein längeres Training. „Natürlich ist es so, dass man beides verbinden kann und vielleicht auch sollte – aber man muss eben nicht.“

So jedenfalls sieht es das Selbstverteidigungs-Konzept des Verbandes vor. Neben rechtlichen Aspekten, Methodik und physiologischen Inhalten stehen dabei die einfachen Mittel, die jeder anwenden kann, im Mittelpunkt. Das lernt man schon in den Lizenzlehrgängen, die 60 Unterrichtseinheiten umfassen und die Teilnehmer jeweils ganztägig in die Halle bringen.

„Das war schon anstrengend, aber auch sehr lehrreich“, sagt Hanke. Und es war nicht der letzte Lehrgang: Demnächst will er sich zum Gewaltschutz- und Präventionstrainer für Kinder und Jugendliche weiterbilden.Das erworbene Wissen will er jedenfalls schnellstmöglich weitergeben, und das nicht nur im Verein. „Beim BKV-Tag im Herbst, bei dem der Landesverband seine ganze Bandbreite präsentiert, werde ich wieder Einheiten geben“, plant er. Darüber hinaus kann er sich auch vorstellen, im Bremer Karate Verband ein Ressort „Selbstverteidigung“ zu übernehmen.