Das Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskonzept des Bremer Karate Verbandes

Dr. Elke von Oehsen / Dr. Kirsten Gieseler

„Nur wer sich selbst wertschätzt, kann auch für sich kämpfen.“

Das ist die erste Kernaussage im Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungslehrgang des BKV.

Denn nur das, was wir wertschätzen, für das setzen wir uns auch ein. Viele Frauen haben etwas an sich auszusetzten, richten sich in ihrer Selbsteinschätzung nach den Bewertungen anderer (z.B. der Werbung, der Ehemänner oder Freunde) oder haben kein Selbstvertrauen. Aber nur wer Autonomie im Denken hat und sich selbst mag, hat auch eine selbstbewusste Ausstrahlung und kann Grenzüberschreitungen spüren, ist bereit, sich dagegen zu wehren und hat auch die entsprechende Ausstrahlung, um das durchzusetzen.

Und warum sollten sich Frauen nicht mögen?

Sie sind in der Regel taff im Umgang mit Alltagsproblemen und können diese bewältigen, haben eine Schulbildung, die ihnen ermöglicht ein selbstbestimmtes Leben zu führen, sind zuverlässig bei der Arbeit und engagieren sich sozial. Das ist sehr viel, was sie da auf die Beine stellen. Da braucht sich keine Frau zu verstecken.
Das müssen andere erst einmal schaffen!

Im Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungslehrgang werden Übungen zur Steigerung der Selbstsicherheit durchgeführt. Dabei geht es um die Steigerung des Selbstwertgefühls und der  Durchsetzungsfähigkeit, die Artikulation der eigenen Bedürfnisse, sowie das Vertrauen, sich anderen anzuvertrauen.
Außerdem wird der wichtige Punkt des Selbstvertrauens und der Selbstbehauptung angesprochen und erfahrbar gemacht. Dabei geht es darum, sich in einer Übergriffs- oder Konfliktsituation der eigenen Wünsche und Bedürfnisse bewusst zu sein und diese durch Grenzen setzen, durch konsequentes Auftreten, Hilfe holen oder einfordern und vieles mehr um zu setzten.

In gefährlichen oder ausweglosen Situationen (Notwehr) kann sich mit aller Kraft körperlich zur Wehr zu setzten zum Erfolg führen, da dies die Angreifer abschreckt.
Bei Bedrohungen sollen die Frauen erkennen, welche Situationen inakzeptabel, bedrohlich oder (lebens-)gefährlich sind. Danach richten sich die Gegenmaßnahmen. Und ganz wichtig: Jede Frau sollte (auch mit Unterstützung von Beratungsstellen) jeden Übergriff benennen oder sonst irgendwie öffentlich machen, damit sich die Angreifer (in der Regel Männer) ändern, denn die Schuld liegt immer beim Angreifer und nie beim Opfer!

Gewalt oder Übergriffigkeit gegen Frauen ist kein individuelles Problem, sondern entsteht im Zusammenhang mit Machtverhältnissen und Geschlechterrollen und kann daher auch dauerhaft nur über die Bearbeitung dieser Thematiken geändert werden.
Um sich wehren zu können, werden alle eigenen Stärken erkannt und genutzt.  Die Verantwortung für die inakzeptable Situation bleibt dabei immer beim Täter. Vermittelt werden verbale, körperliche, körpersprachliche, mentale Möglichkeiten sich zu wehren, aber auch die Nutzung von Humor, Fantasie, Alltagsfähigkeiten und Emotionen. Kritisch gesehen wird der Einsatz von Pfefferspray oder Waffen.

Sich wehren ist für Frauen und Mädchen eine Möglichkeit, aber keine Verpflichtung. Alles was eine Frau oder ein Mädchen in einer Bedrohungssituation macht, ist richtig.

 

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